Wespen im Sommer
von Gabi Parthenschlager

Bei warmen und sommerlichen Temperaturen entdecken Haus- und Gartenbesitzer immer häufiger Wespen- oder Hornissennester in Nischen und geschützten Ecken, die fleißig von den Insekten umflogen werden. Während die flauschigen Hummeln meist toleriert werden, sorgen Wespen und vor allem Hornissen oft für panische Reaktionen.
Der NABU beruhigt, die Tiere würden nur im Notfall stechen, wenn sie sich angegriffen fühlen. Paul Hennze, ehrenamtlicher Naturschutzbeauftragter der Stadt Mannheim und Vorstand beim NABU Mannheim, plädiert für ein friedliches Nebeneinander mit den nützlichen Insekten: „Nur zwei der neun verschiedenen heimischen Wespenarten, die Völker bilden, können durch ihre Vorliebe nach süßen Lebensmitteln dem Menschen lästig werden. Die Arten sind für einen Laien kaum zu unterscheiden. Daher sollte man immer einen Wespenexperten bzw. Artenschutzberater/in im Wespen- und Hornissenschutz hinzuziehen, wenn ein Wespennest umgesiedelt oder bekämpft werden soll.“
Oft sind es nur telefonische Beratungsgespräche, manchmal auch eine Kommunikation mit Foto, um die Art zu ermitteln und entsprechende Infos zu den Tieren und deren Lebensweise zu erhalten. Von diesen Gesprächen sind es aber zur Zeit sehr viele. Nach dem Gespräch mit Paul Hennze oder mit einem der anderen ehrenamtlichen Naturschutzbeauftragten Dr. Gerhard Rietschel und Gabi Parthenschlager, dürfen die Tiere mitsamt Nestern meist vor Ort bleiben. Die Nester werden zwar jetzt erst entdeckt, sind aber bereits seit Anfang Mai vorhanden. Da kann man oft die restliche Zeit auch noch abwarten, bis die Wespensaison vorbei ist. Nach dem Ausflug der Jungköniginnen stirbt das ganze Volk ab, und das alte Nest wird auch nicht wieder besiedelt.
Was also ist zu tun, wenn die gemütliche Kaffeerunde auf der Terrasse ständig von vor dem Gesicht hin und her fliegenden Wespen gestört wird: „So schwierig es auch klingt - am besten ruhig bleiben. Sowohl danach Schlagen als auch Anpusten stellen für das Tier ein Alarmsignal dar und erhöhen die Stichbereitschaft.“, erklärt Paul Hennze.
Um dem massenhaften Auftauchen der kleinen Tiere bereits im Vorfeld vorzubeugen, helfen schon einfache Maßnahmen: Getränke und Speisen sollten nach Möglichkeit abgedeckt werden, für Gläser eignen sich zum Beispiel Bierdeckel hervorragend. Kinder trinken süße Getränke am besten nur mit einem dünnen Strohhalm. Fallobst sollte rechtzeitig aufgesammelt werden.
Oft kann persönliche Aufklärungsarbeit sehr gute Erfolge erzielen, wie auch Gabi Parthenschlager berichtet: Vor kurzem erhielt die Mannheimer Feuerwehr einen Notruf aus Mannheim-Rheinau, weil besorge Eltern ein Wespennest auf einem Spielplatz melden wollten. Vor Ort konnte die Naturschutzbeauftragte tatsächlich Wespen auf einem Wasserspielplatz entdecken, aber: es handelte sich um einige verschiedene Wespenarten sowie Bienen und Fliegen, die zum Trinken an die Wasserstelle gekommen waren. An diesem heißen Sommertag war dies scheinbar die einzige Möglichkeit zum Trinken für die Insekten weit und breit. In den folgenden Gesprächen konnte Gabi Parthenschlager die Kinder und Erwachsenen, die sehr interessiert waren, aufklären und zeigen, wie friedlich die Tiere waren. „Man sollte sie nur nicht anfassen oder drauf treten“, so die Naturschutzbeauftragte, „dann trinken sie nur und fliegen wieder davon.“
Außer für Allergiker seien Wespenstiche nicht weiter gefährlich, allerdings ziemlich schmerzhaft. Dass drei Hornissenstiche einen Menschen und fünf ein Pferd töten, ist ein leider wohl unausrottbares Märchen. Im Rachenraum können Wespenstiche allerdings lebensbedrohlich werden und erfordern sofortige ärztliche Hilfe so Rietschel vom NABU.
Wenn man sonst trotz aller Vorsicht doch einmal gestochen wird, sollte eine halbe Zwiebel oder Zitrone auf den Stich gedrückt werden, um das Insektengift zu neutralisieren.
Beim NABU Mannheim gibt es weitere ehrenamtliche Artenschutzfachberater im Wespen- und Hornissenschutz. Die Kontaktliste ist auf der Homepage des NABU Mannheim unter der Rubrik Beratung zu finden. Jedoch werden dringend weitere ehrenamtliche Wespen- und Hornissenberater/innen gesucht. Wer diese Tiere aktiv schützen möchte, kann sich gerne beim NABU melden.
Für Rückfragen:
Paul Hennze, Tel. +49 (0)621 472961
Dr. Gerhard Rietschel, Tel. +49 (0)621 891989
Gabi Parthenschlager, Tel. +49 (0)621 793587