Suche nach diesjährig berühmten Feldbewohner

von Gabi Parthenschlager

(Text: Martin Hornberger)
Waren Sie im Februar rund um Heddesheim in der Dämmerung in der Feldflur unterwegs und konntet eventuell ungewohnte Aktivitäten wie z. B. Personen in zweier Gruppen meist in Outdoorkleidung sehen? Eine Person „bewaffnet“ mit eine quadratischen, handtellergroßen schwarzen Lautsprecher Box, die hoch über dem Kopf in alle 360 Grad Richtungen gedreht wird und dabei eine Geräuschfolge, die etwas an das Öffnen einer alten rostigen Falltür erinnert, ausstrahlte. Die zweite Person mit einem Klemmbrett, in das sie eifrig Eintragungen machte.
Die Lautsprecherbox wird auch als Klangattrappe bezeichnet und abgespielt wurde der Balzruf des Männchens.

Wer die oben beschriebene Szenerie beobachtet hat, ist höchstwahrscheinlich Zeuge des alljährlichen Monitoring eines sehr gut getarnten Bodenbrüters aus der Familie der Glattfußhühner geworden, dass kürzlich mehr Berühmtheit erlangt hat, weil es dieses Mal die jährlich vom NABU durchgeführte Wahl zum Vogel des Jahres gewonnen hat.

Viele werden es schon wissen oder erraten haben, es handelt sich um das Rebhuhn (Perdix perdix). Ein kugeliger Vogel ungefähr so groß wie eine Ringeltaube. Wangen und die Kehle sind hell braungelb bis orange gefärbt, die Brust ist wunderbar blaugrau flauschig marmoriert, die Rückseite ist graubraun mit dünnen hellen Strichen. Der Übergang von Brust zu Rücken wird von vertikalen rostroten Bändern auf den Flügeldecken flankiert.

Beim Rebhuhnmännchen befindet sich auf der Bauchseite ein hufeisenförmiger dunkelbrauner Fleck, der beim Weibchen oft kleiner und blasser ist oder ganz fehlt. Junge Rebhühner sind matter graubraun gefärbt.

Das Rebhuhn ist ein faszinierender Vogel. Das Huhn schreitet normalerweise langsam, kann aber bei Gefahr auch sehr schnell laufen, sich auf den Boden drücken oder plötzlich auffliegen.

Erst dann im Flug zeigt sich ein weiteres Alleinstellungsmerkmal: die markant abgesetzten rostroten Schwanzseiten.

Das nervöse und scheue Huhn brütet auf offenen Anbauflächen am liebsten in Brachsteifen, die noch vom letzten Jahr herrühren und am besten mehre Meter breit sein sollten.

Leider sind die Bestände in Deutschland stark rückläufig, man geht seit den 80iger Jahren von Populationsrückgängen von fast 90 % aus und die Art gilt als stark gefährdet. Auch deshalb gibt es ein jährliches, bundesweites Monitoring Programm koordiniert u. a. von der Universität Göttingen mit dem Dachverband Deutscher Avifaunisten und dem Deutschen Verband für Landschaftspflege.

Im Spätwinter und frühen Frühjahr, lösen sich die Familienverbände, die Ketten von ca. 4 bis zu 30 Individuen auf und die Balz beginnt – der seltene Moment, in dem wir das Rebhuhn hören können. Genau dann findet das Monitoring statt.

Ehrenamtliche gehen in der Dämmerung festgelegte Routen sogenannte Transekte ab und, spielen den Balzruf von der Klangatrappe ab, und erfassen antwortende Hähne – wissenschaftlich standardisiert und bundesweit.

Die Paare finden sich im März, die Eiablage beginnt aber erst im Mai, dann wird drei Wochen lang gelegt und weitere drei Wochen gebrütet. Nach dem Schlüpfen benötigen die Küken 6 Wochen bis sie ausgewachsen sind. In dieser Zeit werden sie von Ihren Eltern im „kettigen“ Familienverband über die Felder geführt.

Zurück nach Heddesheim zum Monitoring: nachdem noch vor zwei Jahren noch eine Anzahl von deutlich über 20 Sichtungen verzeichnet werden konnte, waren es im letzten Jahr nur eine und dieses Jahr bisher vier.

Hauptursachen dafür, dass eine Rebhuhn Sichtung ein immer selteneres Ereignis geworden ist, sind wahrscheinlich der Verlust strukturreicher Lebensräume, Pestizide (und damit weniger Insekten), Insektizide, und eine größere Anzahl von Prädatoren wie Füchse, Greifvögel und Hunde aber auch Störungen durch eine vermehrte Anzahl von Freizeitaktivitäten wie Hundegänger, Jogger, Radfahrer und das 24/7.

Der Blick über die deutschen Grenzen zeigt kein viel besseres Bild: in der Schweiz ist der Vogel wahrscheinlich seit 2020 ausgestorben. In Frankreich kann durch millionenfache Aussetzungen für die Jagd keine klare Zählung erfolgen, wohingegen Österreich, Tschechien, Polen und die Niederlande leider einen ähnlich anhaltender Rückgang des hübschen Feldvogels wie Deutschland zu verzeichnen haben.

Glücklicherweise macht ein Projekt in Baden-Württemberg Hoffnung: in Stuttgart Fellbach im sogenannten Schmidener Feld ist es seit 2017 durch die Zusammenarbeit von Stadt, Landwirtschaft, Jägerschaft und Naturschutz gelungen, nachdem auch hier die Population eingebrochen war, eine stabile Populationen zu ermöglichen. Durch geeignete Maßnahmen, unter anderem Blühstreifen, die vom Vorjahr stehen bleiben, das Vorhandensein großflächiger Brachen, deren Mahd von Anfang Juli auf Mitte August verschoben wurde, gab es im Jahr 2024 wieder 23 Reviere. Hoffen wir, dass derartige Projekte Schule machen, so dass wir den scheuen, unaufdringlichen aber durchaus aparten Feldbewohner wieder öfter hören und beobachten können.

 

Quellen, weitere Infos:

Kurzes Video zur Rebhuhn Kartierung: https://www.youtube.com/watch?v=eK7zw_RGLVM

NABU Mitgliederzeitschrift Winter 2025

NABU Podcat „reingezwitschert“ - Rebhuhn: (Kein) Bett im Kornfeld mit Dr. Eckhard Gottschalk

 

 

 

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