Wie kann man Igeln im Herbst helfen?

von Samina Kuhn

Die letzten warmen Sonnenstrahlen, die Tage werden spürbar kürzer. Auch die Igel merken das und machen sich langsam für den Winter bereit. Die Paarungszeit ist beendet. Die meisten Igelbabys haben die Nester bereits verlassen. Manche werden von den Igelmamas noch versorgt. Doch je später die Kleinen geboren wurden, desto weniger Zeit haben sie, sich eine Winterspeckschicht anzufressen, mit der sie den langen Winterschlaf überstehen. Je weiter das Jahr vorrückt, desto weniger Nahrung finden die Igel.

Adulte Igelmännchen gehen je nach Wetter bereits Ende Oktober in den Winterschlaf. Adulte Igelweibchen benötigen nach der Säugezeit länger, sich das Winterschlafgewicht anzufressen. Viele Weibchen gehen dann im November in den Winterschlaf. Die kleinen Jungigel, die dieses Jahr geboren wurden, müssen erstmal groß werden. Oftmals gehen sie erst im Dezember schlafen. Viele schaffen es nicht mehr, sich ein ausreichendes Gewicht anzufressen, da die Insektenpopulationen abnehmen. Die Laufkäfer und Schmetterlingslarven, das Lieblingsfutter der Igel, werden weniger. Sie finden im nassen Herbst hauptsächlich Regenwürmer und Schnecken. Vor allem Schnecken sind jedoch die Hauptüberträger der häufigsten Innenparasiten, die Igel krank machen und die Gewichtszunahme verhindern. Erschwerte Bedingungen für die kleinen Herbstigel. Die meisten überleben daher die ersten Monate bzw. den ersten Winterschlaf nicht.

Der europäische Braunbrustigel gilt mittlerweile als „potenziell gefährdet“ und benötigt unsere Unterstützung. Der NABU Mannheim setzt sich für den Arterhalt ein und gibt Tipps, wie jeder Gartenbesitzer den Igeln helfen kann.

 

Igel brauchen Nahrung

Mit einer naturnahen Gartengestaltung fördern wir die Futterinsekten der Igel. Heimische Bepflanzung mit Sträuchern, Hecken und Wildblumen gibt den Insekten Nahrung und Nistmöglichkeit. Wilde Ecken im Garten geben der Natur Gelegenheit sich selbständig zu entwickeln und bieten Rückzugsorte für Insekten ohne Eingriffe des Menschen. Viele Laufkäfer (Lieblingsessen der Igel) brauchen Totholz, als Lebensraum und Nahrungsquelle. Es empfiehlt sich abgeschnittene Äste und Pflanzenteile einfach auf einen Haufen oder in eine Benjeshecke zu schichten. Die Käfer werden sich freuen. Der NABU berät gerne zu einfachen Möglichkeiten oder kleinen Bauprojekten mit Totholz wie dem Anlegen eines Käferkellers.

 

Zufütterung

Vor allem vor und nach dem Winterschlaf, wenn die Insektenvorkommen sowieso gering sind, kann man die Igel durch eine Zufütterung unterstützen. Der natürlichen Insektennahrung des Igels kommt Katzenfutter am nächsten. Am besten verdaut wird Katzennassfutter. Es sollte mindestens 60 % Fleischanteil haben und ohne Zucker, Getreide, Gelee oder Soße sein. Auch Rührei oder durchgegartes Hackfleisch kann angeboten werden. Wenn die Nachttemperaturen unter 8 Grad fallen, sollte nur noch Katzentrockenfutter angeboten werden, da die Igel sonst Bauchweh bekommen können. Es ist wichtig, dass immer ausreichend Wasser zum Trinken bereitsteht. Der NABU Mannheim empfiehlt die Fütterung ausschließlich über spezielle Igelfutterhäuser, damit auch wirklich nur die Igel gefüttert werden und nicht die Nachbarskatze, Ratten oder Waschbären. Die Futterstelle muss täglich gereinigt werden, um zu verhindern, dass sich Krankheiten zwischen den Igeln übertragen. Der NABU Mannheim berät gerne zur richtigen und sicheren Fütterung im eigenen Garten.

 

Igelschlafgelegenheit

Wenn die Igel ihr Winterschlafgewicht erreicht haben, brauchen sie ein gut isoliertes Nest, das sie vor Winterfrösten schützt. Igel sind sehr gute Nestbauer. Sie tragen Unmengen von Material in die Nester ein und pressen es durch spezielle Drehbewegungen an die Außenwände, um Kälte und Nässe abzuhalten. In unseren Gärten können wir den Igeln durch dichte Hecken und Gebüsche helfen. Dort bauen sie ihre Nester am liebsten. Das Laub der Bäume sollten wir im Herbst einfach liegen lassen, damit die Igel sich nehmen können, was sie brauchen. Wenn wir Laub- und Grünschnitthaufen aufschichten, sollten wir sie bis Ende Mai des Folgejahres unangetastet lassen. Gut möglich, dass sich ein Igel eingenistet hat. Auch Komposthaufen werden gerne von Igeln bezogen. Auch diese sollten im Winter in Ruhe gelassen und im Frühjahr erst ab Ende Mai ganz vorsichtig umgeschichtet werden. Außerdem gibt es spezielle Igelschlafhäuser im Handel zu kaufen. Sie lassen sich auch leicht aus Steinen und Platten selbst bauen. In einer ruhigen, schattigen Gartenecke aufgestellt, versteckt in einem Gebüsch oder unter Reisig, können sie dem Igel einen Winterschlafplatz bieten. Wichtig ist, dass genug Nestbaumaterial in der Nähe zur Verfügung steht und das Haus Innenmaße von 30 x 30 x 30 cm hat. Dann ist es groß genug für ausreichend Nistmaterial. Einen Boden braucht das Haus nicht, dann staut sich auch keine Feuchtigkeit. Der NABU Mannheim berät Sie gerne individuell, wie Ihr Garten mit geeigneten Winterschlafnestern ausgestattet werden kann.

 

500g-Regel für Jungigel

Jungigel, die dieses Jahr geboren wurden, sollten Anfang November mindestens 500g wiegen, um den Winterschlaf überleben zu können. Diese vereinfachte Regel gibt eine grobe Richtung vor, nach der man entscheiden kann, ob ein Jungigel im Herbst menschliche Hilfe benötigt. Es kommt jedoch auf die individuellen Gegebenheiten an. Wie ist das Wetter Anfang November? Wie ist es für den weiteren November gemeldet? Wie sind die Futtermöglichkeiten? Wird im Garten zugefüttert? Wenn Sie im Herbst einen kleinen Igel finden, und unsicher sind, ob er den Winter schaffen kann, nehmen Sie Kontakt zu einer Igelstation oder dem NABU Mannheim auf, um sich individuell beraten zu lassen.

 

Sie suchen weitere Informationen über Igel?

  • Am 23.10.2026 um 18:30 Uhr kommt Anette Hübsch mit Ihrem Igelvortrag „Igel gefunden - Was nun?“ zum NABU Mannheim. Anmeldungen gerne an samina.kuhn@mail.de
  • Für Kinder bietet die NAJU am 14.11.2026 die Veranstaltung „Igel in der Großstadt“ an. Anmeldungen gerne an lena.touray@nabu-mannheim.de

 

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